Station II: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

Sieger Köder, Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern. II. Station
Kreuzweg in der Kirche St. Stephanus in Wasseralfingen
© Sieger Köder-Stiftung Kunst und Bibel, Eilwangen
https://www.verlagsgruppe-patmos.de/rights/abdrucke

Ich lasse zunächst einmal das Bild auf mich wirken.

Was sehe ich?

Was löst es aus in mir?

Zur weiteren Betrachtung:

Vor dunklem Hintergrund zeigen sich stählerne, scharfkantige Querbalken mit Haken und Stricken. (Theo Schmidkonz: „an denen die Widerstandskämpfer gegen Hitler in Berlin-Plötzensee aufgehängt wurden.“)

An den anderen Querbalken sind schwarze Tücher geknotet. (Theo Schmidkonz: „Wenn in Lateinamerika Unschuldige von Todesschwadronen der Diktatur ermordet wurden, hängten die Frauen schwarze Tücher an Kreuze, die in der Pampa stehen“)

Im Vordergrund der senkrechte, scharfkantige Holzbalken des Kreuzes, den Jesu Hände umschließen.

Man könnte meinen, sehr bewusst und annehmend umschließt, vielleicht sogar sich daran klammernd?

Klammert er sich an den, der sich hinter dem Geschehen verbirgt?

Im dunklen und schmerzlichen Ausdruck des Bildes dennoch ein Lichtschein, der auf Jesu Arme und Hände fällt….

Jesus hat das Kreuz nicht gesucht. Er hatte Angst davor. Aber als es unausweichlich war, hat er es angenommen.

Zu allen Zeiten und bis heute haben Menschen auf unsagbar leidvolle Weise ihr „Kreuz auf sich nehmen müssen“, … die Gefolterten und zu Unrecht Inhaftierten, die Flüchtenden, die Opfer von Willkür und Gewalt…

Stellvertretend für die Vielen nenne ich Dietrich Bonhoeffer und zwei Verse aus seinem bekannten Gedicht das er am Jahresende 1944 aus der Gefangenschaft für seine Mutter und seine Verlobte geschrieben hat.

……Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Vermutlich kann so etwas nur schreiben, wer es so erfahren hat. Der noch einen Schimmer des Lichtes von Gottes Gegenwart in allem Schmerz und unfassbarem Leid wahrnimmt und sein Leid so auch zu Gottes Gegenwart macht.

Das Leben mutet auch uns manchmal ein Übermaß an Enttäuschung, Verlust und Schmerz zu.

Können wir es annehmen?

Können wir der Liebe Gottes auch dann noch trauen, wenn wir sie nicht mehr spüren?

Jesus Christus, wer mit deiner Gegenwart rechnet, darf eine Kraft erfahren, die nicht aus ihm selber ist.

Du schenkst uns die Gewissheit, dass wir nicht alleine sind in unserer Angst, sondern in der größten Not geborgen sein können und dass auch Unerträgliches mit dir erträglich werden kann.

Jesus Christus, du gehst den Weg der Menschen.

Du gehst auch meinen Weg mit.


Kreuzwegstationen in der Passionszeit

Wir möchten euch in der Passionszeit einladen auf einen meditativen Kreuzweg.

Die einzelnen Stationen lassen uns innehalten, um über das Geschehen auf diesem Weg nachzusinnen und vielleicht ganz eigene Erfahrungen damit zu machen.

An jedem Mittwoch bis einschließlich 31.03. wird dies möglich sein.

Die Bilder hat Sieger Köder gemalt. Die Texte hat Ursel Schneider entworfen in Anlehnung an Interpretationen von Theo Schmidkonz.

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