Station III: Jesus fällt unter dem Kreuz

Sieger Köder, Jesus fällt zum ersten mal unter dem Kreuz. III. Station
Kreuzweg in der Kirche St. Stephanus in Wasseralfingen
© Sieger Köder-Stiftung Kunst und Bibel, Eilwangen
https://www.verlagsgruppe-patmos.de/rights/abdrucke

Ich lasse zunächst einmal das Bild auf mich wirken.

Was sehe ich?

Löst es etwas aus in mir?

Zur weiteren Betrachtung:

Jesus krümmt sich unter der gewaltigen Last, die er trägt, und die ihn in die Knie zwingt.

Er schultert eine schwere Bürde – die Last der Menschheitsgeschichte?

Auffallend im Vordergrund in roter Robe ein Richter (Theo Schmidkonz: „dem Bluthenker Hitlers, Roland Freisler, sehr ähnlich“) – vielleicht auch stellvertretend für Richter, die zu allen Zeiten unschuldige Menschen zum Tode verurteilen. Menschen, die unbequeme Wahrheiten aussprechen und sich nicht vor einem diktatorischen Regime beugen….

Hinter dem Richter vielleicht sein verzweifeltes Opfer, das mit weit aufgerissenem Mund verzweifelt „Warum“ schreit…

Am rechten Rand auf Jesu Hand liegend, eine Frau, die brutal vergewaltigt wird und darüber ein Mensch, der, sich an sein Glas klammernd, in die Betäubung flieht…

Seit es Menschen gibt, gibt es Hass, Gewalt und Ohnmacht. Hier sehen wir Jesus zusammengebrochen unter der Last dieser Schuldgeschichte.

Auffallend aber zeigt der Künstler den gestreckten Arm Jesu, der sich der Last entschieden entgegenstemmt und sie in seiner eigenen Schwäche zu halten scheint.

Ein Lichtschein dennoch – auf beiden Armen und auf Jesu Gesicht. Die geheimnisvolle Gegenwart Gottes in alledem?

Wo sehen wir uns selbst auf diesem Bild?

Vermutlich auf beiden Seiten.

Auch wir tragen eine dunkle Seite in uns, kennen Hass, tun Unrecht und haben sicher zuweilen die Würde anderer Menschen verletzt.

Auch wir tragen manchmal die Last Anderer, die uns aufgebürdet ist und unter der wir zusammenzubrechen drohen.

Fühle ich mich dennoch auch darin von Jesus getragen?

Begehre ich auf, wenn Menschen Opfer von Menschen werden?

Jesus Christus, du gehst den Weg der Menschen und gehst ihn doch weiter.

Was Gott durch Jesaja über den „Gottesknecht“ sagen läßt, gilt auch von dir.

Du trägst unsere Wunden und unsere Schuld. Du erwirkst unsere Heilung und unseren Frieden.

Und auch die andere Zusage aus Jesaja 46,4 gilt:

Ja, ich will euch tragen bis ins Alter und bis ihr grau werdet. Ich will es tun, ich will heben und tragen und erretten.


Kreuzwegstationen in der Passionszeit

Wir möchten euch in der Passionszeit einladen auf einen meditativen Kreuzweg.

Die einzelnen Stationen lassen uns innehalten, um über das Geschehen auf diesem Weg nachzusinnen und vielleicht ganz eigene Erfahrungen damit zu machen.

An jedem Mittwoch bis einschließlich 31.03. wird dies möglich sein.

Die Bilder hat Sieger Köder gemalt. Die Texte hat Ursel Schneider entworfen in Anlehnung an Interpretationen von Theo Schmidkonz.

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